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Juni literarischer Gartenkalender 2019Stundenbuch des Herzogs von Berry Juni

15.-30.6. - Zurück zur ersten Monatshälfte

Monatsthema: Rosen Monatsthema Rosen



15.

Rose Frieda Port (15.06.1854- 14.10.1926) geboren am 15.6. - 165. Geburtstag 2019

War nicht auf einmal mein Gemach
Ganz von dem Dufte deiner Rosen voll
Und auch zugleich von unserm Glück?

Führt Rosenduft mir diesen Tag zurück,
Wenn deiner Liebe Schmuck ich missen soll,
Wie scharfe Dornen würden wach

Viel lieber bin ich jetzt schon sorgenvoll
Und sinn' im Voraus jenen Schmerzen nach,
Gefaßt auf fernher drohendes Geschick!


16.

Giovanni Boccaccio (1313-1375) geboren am 16.6.

Danach ließen sie sich einen rings von hoher Mauer umgebenen Park zu Seiten des Palastes öffnen und traten ein. Gleich auf den ersten Blick bot sich dieser in so auserlesener Schönheit ihren Blicken dar, daß sie begannen, seine einzelnen Partien genau zu betrachten. Die Seiten der Wege waren von weißen und roten Rosenstöcken und Jasmin fast geschlossen, und man konnte nicht nur am Vormittag, sondern auch, wenn die Sonne hoch am Himmel stand, in dem duftenden, angenehmen Schatten lustwandeln, ohne von ihren Strahlen getroffen zu werden.
(aus: Das Dekameron)

17.

Sebastian Anton Kneipp (1821-1897) gestorben am 17.6.

Der allgütige Schöpfer hat die Pflanzen und Kräuter
nicht nur zur Zierde für die Erde und als Futter für die Tiere und Vögel erschaffen,
sondern auch zum Heile der Menschheit.


18.

Martin Greif (eigentl. Friedrich Hermann Frey, 1839-1911) geboren am 18.6. - 180. Geburtstag 2019

Vor der Ernte
Nun störet die Ähren im Felde
Ein leiser Hauch.
Wenn eine sich beugt, so bebet
Die andre auch.

Es ist als ahnten sie alle
Der Sichel Schnitt -
Die Blumen und fremden Halme
Erzittern mit.


In der bayerischen Pfalz geboren trat der deutsche Dichter und Dramatiker nach dem Abitur in das bayrische Militär ein, wurde 1859 Offizier, nahm aber 1867 seinen Abschied und ließ sich als freier Schriftsteller in München nieder. Dann reiste er nach England, in die Niederlande, nach Spanien, Dänemark, Italien. 1868 erschienen seine Gedichte unter dem Pseudonym Martin Greif, das er seit 1882 auch als bürgerlichen Namen führen durfte. 1869 zog er nach Wien, wo viele seiner Stücke mit Erfolg am Burgtheater aufgeführt wurden. Zahlreiche seiner Gedichte wurden vertont. "Agnes Bernauer" wird sein erfolgreichstes Theaterstück, trotz des bereits 1852 uraufgeführten titelgleichen Stücks von Friedrich Hebbel (siehe Rose 'Agnes Bernauer').

19.

RoseFriedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803)

Das Rosenband
Im Frühlingsschatten fand ich sie;
Da band ich sie mit Rosenbändern;
Sie fühlt' es nicht, und schlummerte.

Ich sah sie an; mein Leben hing
Mit diesem Blick an ihrem Leben:
Ich fühlt' es wohl und wusst' es nicht.
Doch lispelt' ich ihr sprachlos zu,
Und rauschte mit den Rosenbändern:
Da wachte sie vom Schlummer auf.

Sie sah mich an; ihr Leben hing
Mit diesem Blick an meinem Leben,
Und um uns ward's Elysium.

Weitere Klopstock-Gedichte

20.

RoseGeorg Busse-Palma (1876-1915) geboren am 20.6.

Rosen
Lottchen, mein herziger Junge, mein liebes Leipziger Häschen,
Kämen die Rosen jetzt all', die es auf Erden nur gibt,
Und sie legten sich alle mir duftig zu Füßen und bäten,
Daß ich die nenne, die mich vor allen andern erfreut,
Weißt du, was ich dann spräch'? Ich spräch': Ihr Knospen und Blüten,
Fürstlich seid ihr und schön, aber die fürstlichste selbst
Könnte mich nicht so erfreun als wie die kleine bescheidne,
Die mir erst heutigen Tags Lottchen, mein Lottchen, versagt!
Sieh, so spräch' ich, mein Kind, nun komm und küß mich noch einmal!
Hab' ich die Rosen auch gern, lieblicher ist mir dein Kuß.
Hab' ich die Rosen auch gerne, bitt' ich dich dennoch: versag mir
Täglich ein Röschen und zahl's ebenso lieblich wie heut!

(Auszug aus der Sammlung Lottchen)

21.

Rose Sommeranfang, Sommer-Sonnenwende

Sommer: für etliche Tage
Begleiter der Rosen zu sein;
was um erblühende Seelen
weht, das atmen wir ein.
Sehen in jeder, die stirbt,
eine Vertraute,
entschwundene Schwester, die wir
unter anderen Rosen überdauern.

(Rainer Maria Rilke, 1875-1926)
Weitere Sommergedichte
Sommerliche Bauernregeln / "Sommerrosen"

22.

Wilhelm Humboldt (1767-1835) geboren am 22.6.

Die Natur gefällt,
reißt an sich,
begeistert,
nur,
weil sie Natur ist.


23.

Julius Curtius (1802-1849) geboren am 23.6.

Blühte mir ein schöner Garten
Blühte mir ein schöner Garten
Voll der Allerschönsten Blumen;
Malven, die den Himmel suchen,
Veilchen, Rittersporn und Flieder,
Nelken, Lilien und Resede.
Doch die schönsten Blumen alle
Mochten mir nicht so gefallen,
Als ein wildes Rosenstöckchen
Am gegitterten Geländer.
In der Blätter dunklem Grüne
Leuchteten die rothen Blumen
Freundlich, wie die Morgenröthe;
Und sie dufteten so lieblich,
Früh am Morgen, spät am Abend,
Daß ich manche liebe Stunde
An dem Rosenstöckchen wohnte.

Das ganze Gedicht lesen

24.

Rose

25.

RoseHeinrich Seidel (1842-1906) geboren am 25.6.

Weisse Rose Weisse Rose, weisse Rose -
Träumerisch
Neigst du das Haupt.
Weisse Rose, weisse Rose -
Balde
Bist du entlaubt.


26.

RoseFranz Alfred Muth(1839 -1890) geboren am 26.6

. Die Liebe ist wie Rosen
Die Liebe ist wie Rosen,
So duftig für und für;
Die Liebe ist wie Rosen:
Aus Dornen lacht sie dir.

So voll von Schmerz und Thränen,
Und doch so süß und rot,
Und doch so voller Sehnen,
Und stärker als der Tod.


27.

Friedrich Silcher (1789-1860) geboren am 27.6. - 230. Geburtstag 2019

Ännchen von Tharau
Ännchen von Tharau ist's die mir gefällt,
Sie ist mein Leben, mein Gut und mein Geld.
Ännchen von Tharau hat wieder ihr Herz
Auf mich gerichtet, in Lieb und in Schmerz
Ännchen von Tharau, mein Reichtum, mein Gut,
Du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut.

Käm' alles Wetter gleich auf uns zu schlah'n
Wir sind gesinnt, beieinander zu stah'n.
Krankheit, Verfolgung, Betrübnis und Pein
Soll unsrer Liebe Verknotigung sein.


Philipp Friedrich Silcher war ein deutscher Komponist, der heute hauptsächlich durch seine Lieder bekannt ist (unter denen etliche volkstümlich geworden sind wie Die drei Röselein und "Ännchen von Tharau". Letzteres von Simon Dach (1605-1659), das Johann Gottfried Herder (1744-1803) ins Hochdeutsche übertrug, unterlegte Silcher mit einer neuen Melodie.
Rose Aennchen von Tharau Foto Christine MeileRose Ännchen von Tharau

28.

RoseVictor Auburtin (1870-1928) gestorben am 29.6.

Es gibt Rosenzüchter,
die sich mehr mit den Blattläusen beschäftigen
als mit den Rosen.

Aus: Die Geheimnisse der Dichter)

29.

RoseHafis (1320-1390)

Schön sind die Rosen fürwahr
Nichts schöner ist.
Schön! wenn dir bei der Hand
Der Becher ist.
Auf und trinke den Wein
Im Rosenbeet,
Weil die Dauer der Ros'
So flüchtig ist.
Jetzt sind die Tage der Lust,
Genieß, genieß!
Weil in Muscheln nicht stets
Die Perle ist.
Welche ein seltner Pfad!
Der Liebe Pfad,
Wo der Führende selbst
Verirret ist.
Willst Du leben mit uns,
Wasch aus dein Buch,
Weil, was Liebe dich lehrt,
Im Buch nicht ist.


30.

RosePaul Scherbart (1863-1915)

Ja, unter Deinen weißen Rosen
Will ich heut Abend mit Dir kosen.
Horch auf meinen knatternden Peitschenknall!
Oh! Der donnert grausig durchs Weltenall!
Wirst ihn schon hören!
Ich will um Deine Liebe werben
Mit ganz besondrem Wüstenwitz.
Sieh! Die mich lieben, müssen sterben -
Und wen ich küsse, trifft der Blitz!



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Aktualisiert am 13.03.2019